Kleemann zeigte auf der IFAT Munich 2026 einen mobilen Anlagenzug für Asphaltrecycling im Einsatz. Die Live-Demo in der Crushing Zone machte deutlich: Recycling wird zur Standard-Anwendung. Für Baufirmen und Abbruchbetriebe bedeutet das neue Geschäftsfelder, aber auch Investitionen in Anlagentechnik.

Der Anlagenzug: Brecher und Sieb im Zusammenspiel

Die Wirtgen Group, zu der Kleemann gehört, setzte auf einen mobilen Prallbrecher in Kombination mit einer Siebanlage. Der Prallbrecher zerkleinert Asphaltplatten auf Korngröße, die Siebanlage trennt anschließend nach Fraktion. Das Material geht direkt zurück in die Produktion.

Typische Durchsatzleistung: 200 bis 350 Tonnen pro Stunde, je nach Aufgabegut und gewünschter Endkorngröße. Das entspricht der Fräsleistung von zwei bis drei Straßenfräsen im Dauereinsatz. Wer das Material vor Ort aufbereitet, spart Transportkosten und Deponiegebühren.

Wirtschaftlichkeit: Was rechnet sich wirklich?

Ein mobiler Anlagenzug kostet zwischen 800.000 und 1,2 Millionen Euro, abhängig von Durchsatz und Ausstattung. Die Amortisation hängt von der Auslastung ab. Bei 1.200 Betriebsstunden pro Jahr und einem Deckungsbeitrag von 8 bis 12 Euro pro Tonne liegt die Amortisationszeit bei 4 bis 6 Jahren.

Entscheidend ist die Logistik: Wer das recycelte Material direkt auf der Baustelle wieder einsetzen kann, spart doppelt. Keine Deponie, kein Zuschlagstoff von außen. Für Ihren Fuhrpark bedeutet das weniger LKW-Fahrten und geringere Dieselkosten.

Die Wirtgen Group bietet Komplettlösungen an: Fräse, Brecher, Sieb und Recycler aus einer Hand. Das erleichtert die Abstimmung und reduziert Schnittstellen. Wer jetzt investiert, profitiert von steigenden Anforderungen an Recyclingquoten.

Betriebskosten: Diesel, Verschleiß, Personal

Ein Prallbrecher verbraucht je nach Motorisierung 25 bis 40 Liter Diesel pro Stunde. Bei 2 Euro pro Liter sind das 50 bis 80 Euro reine Kraftstoffkosten. Dazu kommen Verschleißteile: Prallleisten halten 800 bis 1.500 Betriebsstunden, je nach Härte des Materials. Ein Satz kostet 8.000 bis 15.000 Euro.

Personal: Mindestens ein Maschinenführer für den Brecher, ein zweiter für die Siebanlage. Bei größeren Baustellen kommt ein Radlader für die Beschickung hinzu. Rechnen Sie mit 3 Mann pro Schicht für einen vollständigen Recyclingbetrieb.

Asphaltrecycling in der Praxis: Welche Qualität ist möglich?

Recycelter Asphalt erreicht heute Qualitäten, die vor 10 Jahren undenkbar waren. Die Körnung liegt zwischen 0/32 mm und 0/45 mm, je nach Brechertyp und Einstellung. Entscheidend ist die Reinheit: Beton, Bewehrungsstahl und Kunststoffe müssen vorher aussortiert werden.

Die meisten Baufirmen setzen recycelten Asphalt für Tragschichten ein. Anteil: bis zu 60 Prozent. Für Deckschichten liegt die Quote niedriger, meist zwischen 15 und 30 Prozent. Das ist technisch möglich, aber normativ oft begrenzt.

Die IFAT-Demo zeigte: Modernes Equipment schafft durchgängig verwertbares Material. Die Herausforderung liegt nicht in der Technik, sondern in der Logistik und der Akzeptanz der Auftraggeber.

Mobile vs. stationäre Anlagen: Wann lohnt sich was?

Mobile Brechanlagen sind flexibel, aber teurer im Betrieb. Stationäre Anlagen haben höheren Durchsatz und niedrigere Kosten pro Tonne, sind aber ortsgebunden. Die Entscheidung hängt vom Einsatzprofil ab.

Wer überwiegend große Straßenbauprojekte mit mehreren 10.000 Tonnen Fräsgut abwickelt, fährt mit einer stationären Anlage günstiger. Wer dezentral arbeitet und häufig die Baustelle wechselt, braucht mobile Technik.

Kleemann positioniert sich klar im mobilen Segment. Die Anlagen sind raupenfahrbar, schnell aufgestellt und nach 2 bis 4 Stunden betriebsbereit. Das macht sie interessant für Baufirmen, die mehrere Projekte parallel betreuen.

Regulatorischer Rückenwind: Recyclingquoten steigen

Die EU fordert höhere Recyclingquoten für Baustoffe. Ab 2025 gelten in mehreren Mitgliedsstaaten verschärfte Vorgaben. Deutschland plant eine Mindestquote von 50 Prozent für Asphaltrecycling bei öffentlichen Bauprojekten. Das schafft Planungssicherheit für Investitionen.

Wer heute in Recyclingtechnik investiert, ist morgen im Vorteil. Die Nachfrage steigt, die Margen bleiben stabil. Das zeigt die IFAT: Die Aussteller berichten von deutlich mehr Interesse als noch vor 3 Jahren.

Für Bauunternehmer bedeutet das: Asphaltrecycling wird zur Standardleistung. Wer die Technik nicht beherrscht, verliert Aufträge. Wer sie beherrscht, erschließt neue Märkte – nicht nur im Straßenbau, sondern auch bei Abbruch und Recycling.

Fazit: Vom Nischensegment zur Standardanwendung

Die IFAT-Demo zeigte: Asphaltrecycling ist technisch ausgereift und wirtschaftlich darstellbar. Die Investition rechnet sich bei konstanter Auslastung innerhalb von 5 bis 6 Jahren. Entscheidend ist die Logistik: Je kürzer die Wege, desto höher die Rendite.

Kleemann und die Wirtgen Group setzen auf mobile Lösungen. Das trifft den Markt: Flexibilität wird wichtiger als maximaler Durchsatz. Für Baufirmen, die mehrere Baustellen parallel betreuen, ist das die richtige Strategie.

Wer jetzt investiert, profitiert von steigenden Anforderungen und wachsender Nachfrage. Asphaltrecycling ist kein Trend mehr, sondern Standard.