Wer auf Baustellen mit wechselnden Untergründen arbeitet, kennt das Problem: Ein Rad dreht durch, die Maschine kommt nicht voran. Radlader und Teleskoplader sind deshalb mit Differentialsperren und Traktionshilfssystemen ausgestattet, die in kritischen Situationen die Kraftverteilung zwischen den Rädern regeln.

Ein Differential ermöglicht es, dass die angetriebenen Räder einer Achse unterschiedlich schnell drehen können. Das ist in Kurvenfahrten unverzichtbar, weil das äußere Rad einen längeren Weg zurücklegt als das innere. Auf lockeren oder schlammigen Böden zeigt sich jedoch eine Schwäche: Sobald ein Rad auf rutschigem Untergrund steht, nimmt es den gesamten Antriebsmoment auf und dreht durch. Das andere Rad auf festem Boden steht still – die Maschine bleibt liegen.

Genau hier setzen Differentialsperren an: Sie verhindern, dass ein einzelnes durchdrehendes Rad die gesamte Vortriebskraft verschwendet. Eine Differentialsperre verbindet die beiden Abtriebswellen einer Achse mechanisch oder hydraulisch miteinander. Sobald aktiviert, drehen beide Räder mit gleicher Drehzahl – unabhängig vom jeweiligen Kraftschluss. Die Sperre wird meist manuell über einen Schalter in der Kabine aktiviert und automatisch wieder gelöst, sobald eine bestimmte Geschwindigkeit überschritten wird. Bei Kurvenfahrten muss die Sperre deaktiviert sein, da sonst Antriebsstrangschäden und erhöhter Reifenverschleiß drohen.

Moderne Maschinen setzen zunehmend auf elektronische Traktionshilfssysteme. Diese überwachen die Raddrehzahlen permanent über Sensoren. Erkennt das System, dass ein Rad durchdreht, bremst es dieses gezielt ab. Dadurch verschiebt sich das Drehmoment zum Rad mit besserem Grip – ganz ohne mechanische Sperre. Solche Systeme funktionieren automatisch, ohne Eingriff des Fahrers, und ermöglichen feinere Dosierung der Traktion.

Die ÖNORM EN 474-1:2022 ist identisch mit der europäischen Norm EN 474-1:2022 und legt allgemeine sicherheitstechnische Anforderungen für Erdbaumaschinen fest. Die Norm wurde im März 2022 vom CEN angenommen und ersetzt die Vorgängerversion EN 474-1:2006+A6:2019. Teil 3 der Normreihe, EN 474-3:2022, behandelt spezifische Anforderungen an Radlader, inklusive Teleskoplader und deren Anbaugeräte.

Differentialsperren und Traktionshilfssysteme entscheiden über Produktivität und Verschleiß auf der Baustelle. Wer seine Maschine häufig auf lockerem Untergrund bewegt, sollte auf eine ausreichende Traktionshilfe achten.