Beim Ausbau des Hochspeicherbeckens Rabenleite in Bayern kommen erstmals zwei elektrisch betriebene Tandemwalzen der Hamm AG zum Einsatz. Das Pilotprojekt der Wirtgen Group könnte wegweisend sein für künftige Bauverfahren in sensiblen Gebieten – und steht exemplarisch für den Wandel der Baumaschinenbranche zur Elektromobilität. Für Sie als Bauunternehmer stellt sich dabei die Frage: Wann rechnen sich elektrische Verdichtungsgeräte auf Ihrer Baustelle?
Das Hochspeicherbecken Rabenleite liegt in einem Waldgebiet, in dem strenge Umweltauflagen gelten. Genau hier zeigt sich der Hauptvorteil der Elektro-Walzen: Null lokale Emissionen, kein Dieselgestank und deutlich reduzierter Lärmpegel. Während konventionelle Verdichtungswalzen mit Verbrennungsmotor in solchen Schutzgebieten zunehmend auf Akzeptanzprobleme stoßen, ermöglicht der Elektroantrieb eine konfliktfreie Bauausführung.
Technisch handelt es sich um modifizierte Tandemwalzen, die über Kabelversorgung betrieben werden. Anders als bei akkubetriebenen Kompaktgeräten spielt die Betriebsdauer hier keine Rolle – solange Netzanschluss oder Stromaggregat verfügbar sind. Die Verdichtungsleistung bleibt dabei identisch mit dieselbetriebenen Modellen: Walzenbreite, Betriebsgewicht und Vibrationsamplitude entsprechen den Standardausführungen. Ihr Fahrer muss sich also nicht umgewöhnen.
Entscheidend für Sie ist die Wirtschaftlichkeit: Bei Projekten mit dauerhaftem Stromanschluss entfallen Dieselkosten vollständig – bei durchschnittlich 15 bis 20 Litern pro Betriebsstunde summiert sich das bei längeren Einsätzen erheblich. Zudem reduzieren sich die Wartungsintervalle, da Motor, Abgasanlage und Dieselpartikelfilter entfallen. Allerdings müssen Sie die höheren Anschaffungskosten und bei fehlender Netzinfrastruktur die Kosten für Stromaggregate oder Batteriesysteme einrechnen.
Die Hamm AG gehört zur Wirtgen Group, die bereits bei Straßenfertigern und Straßenfräsen Elektrifizierungskonzepte vorantreibt. Das Rabenleite-Projekt dient dabei als Praxislabor: Welche Anforderungen stellen elektrifizierte Walzen an die Baustellenlogistik? Wie verhalten sich die Maschinen bei Dauereinsatz? Und wo liegen die Grenzen der Kabelversorgung?
Für die Branche könnte das Projekt richtungsweisend werden. Immer mehr Kommunen schreiben für innerstädtische Baustellen emissionsfreie oder emissionsarme Technik vor. Wer künftig bei öffentlichen Ausschreibungen mitbieten will, sollte sich mit elektrifizierten Baumaschinen vertraut machen. Dabei geht es nicht nur um Bagger oder Radlader – auch bei Verdichtungsgeräten wird der Druck steigen.
Das Hochspeicherbecken ist Teil eines Pumpspeicherkraftwerks, das regenerative Energie puffern soll. Dass ausgerechnet hier elektrische Verdichtungstechnik zum Einsatz kommt, hat Symbolcharakter: Die Energiewende verändert nicht nur die Stromerzeugung, sondern zunehmend auch die Baustellentechnik selbst. Für Flottenbetreiber bedeutet das: Wer sich frühzeitig mit den neuen Technologien auseinandersetzt, sichert sich Wettbewerbsvorteile – vor allem bei Projekten mit strengen Umweltauflagen.
Ob sich Elektro-Walzen für Ihren Betrieb lohnen, hängt vom Einsatzprofil ab: Bei Projekten in Schutzgebieten, Innenstädten oder bei Nachtarbeit mit Lärmauflagen sind sie schon heute wirtschaftlich darstellbar. Bei wechselnden Einsatzorten ohne Infrastruktur bleibt der Dieselantrieb vorerst praktikabler – es sei denn, die Akkutechnik macht in den kommenden Jahren noch einen Sprung.
