Der Bau der zweiten Gotthard-Röhre erreicht einen wichtigen Meilenstein. Eine Herrenknecht-Tunnelbohrmaschine hat im nördlichen Abschnitt den entscheidenden Durchbruch geschafft. Das deutsche Tunnelbauunternehmen Herrenknecht aus Schwanau liefert damit erneut einen Beweis für seine Technologieführerschaft bei Großtunnelprojekten.

Die zweite Gotthard-Röhre verläuft parallel zum bestehenden 57 Kilometer langen Basistunnel, der seit 2016 in Betrieb ist. Der Neubau soll künftig die Kapazität der europäischen Nord-Süd-Achse erhöhen und Wartungsarbeiten am bestehenden Tunnel ermöglichen. Für Tunnelbauer gilt das Projekt als technische Herausforderung: wechselnde Gesteinsformationen, hoher Wasserdruck und enge Toleranzen bei der Vortriebsführung prägen den Alltag.

Herrenknecht hat sich in den vergangenen Jahrzehnten als dominierender Hersteller von Tunnelbohrmaschinen etabliert. Die Maschinen des baden-württembergischen Unternehmens kamen bereits beim ersten Gotthard-Tunnel zum Einsatz. Auch bei anderen europäischen Infrastrukturprojekten – vom Brenner-Basistunnel bis zur Metro in Kopenhagen – sind die deutschen Maschinen im Dauereinsatz.

Details zur eingesetzten Maschine wurden bisher nicht veröffentlicht. Bei Großprojekten dieser Art kommen typischerweise Gripper-TBMs mit einem Bohrdurchmesser zwischen 9 und 12 Metern zum Einsatz. Die Vortriebsleistung liegt je nach Geologie zwischen 10 und 30 Metern pro Tag. Für Auftraggeber entscheidend: die Standzeiten und Wartungsintervalle. Moderne Herrenknecht-Maschinen erreichen Verfügbarkeiten von über 85 Prozent der Gesamteinsatzzeit.

Der Durchbruch im nördlichen Abschnitt markiert nicht das Projektende. Noch stehen Ausbauarbeiten, die Installation von Sicherheitssystemen und umfangreiche Tests an. Der Tunnelbau bleibt ein Langstreckenmarathon – auch für die Maschinenhersteller. Wartung, Ersatzteillogistik und technischer Support bestimmen über Jahre hinweg den wirtschaftlichen Erfolg.

Für die europäische Baumaschinenbranche ist der Gotthard ein Leuchtturmprojekt. Wer hier erfolgreich liefert, hat eine belastbare Referenz für kommende Infrastruktur-Großprojekte. Und die Pipeline ist gefüllt: Lyon-Turin, Fehmarnbelt, Nordzulauf Brenner – überall werden Bohrgeräte und TBMs in Milliardenprojekten benötigt.