Volvo Construction Equipment hat ein neues Wiegesystem für Radlader vorgestellt, das als zertifizierbares On-Board-System konzipiert ist. Anders als herkömmliche Wiegelösungen erfüllt das System Standards, die eine amtliche Zertifizierung der Messergebnisse ermöglichen – ein Novum im Segment der mobilen Erdbewegungsmaschinen.

Zertifizierbare Präzision als Differenzierungsmerkmal

Das neue System von Volvo CE unterscheidet sich von konventionellen Wiegesystemen durch seine Konformität mit eichrechtlichen Anforderungen. Während bisherige Lösungen lediglich als Orientierungswerte dienten, ermöglicht die neue Technologie rechtssichere Messungen direkt während des Betriebs. Besonders bei Abrechnungen nach Gewicht, wie sie im Recycling oder im Schüttgutumschlag üblich sind, könnte dies Standzeiten an stationären Waagen eliminieren und Betriebskosten senken.

Das System arbeitet mit hydraulischen Drucksensoren und erfasst das Ladungsgewicht während des Hubvorgangs. Entscheidend für die Zertifizierbarkeit ist die Integration von Kalibrierungsroutinen und die dokumentierte Messgenauigkeit über den gesamten Einsatzbereich. In der Praxis bedeutet dies: Betreiber können die gewogenen Mengen direkt als Abrechnungsgrundlage verwenden, ohne zusätzliche Kontrollwägungen.

Marktpositionierung gegenüber Caterpillar und Liebherr

Mit dieser Technologie positioniert sich Volvo CE als Innovationstreiber im Segment der intelligenten Baumaschinen. Konkurrenten wie Caterpillar und Liebherr bieten ebenfalls Wiegesysteme an, jedoch ohne durchgängige Zertifizierungsfähigkeit nach europäischen Eichrechtsstandards. Caterpillars Production Measurement System beispielsweise fokussiert auf Flottenproduktivität und Telematik-Integration, erreicht aber nicht die eichrechtliche Qualität.

Liebherr setzt bei seinen Radladern auf das LiDAT-Wiegesystem, das ebenfalls hohe Genauigkeit verspricht, aber primär für interne Prozessoptimierung ausgelegt ist. Volvos Vorstoß zielt auf Märkte mit strengen Abrechnungsanforderungen – etwa kommunale Entsorgungsbetriebe, Recyclinghöfe oder Kieswerke, bei denen nachvollziehbare Gewichtsdokumentation geschäftsrelevant ist.

Technische Integration und Nachrüstbarkeit

Das System wird werkseitig in die Maschinensteuerung integriert und kann über das Bediendisplay im Fahrerstand abgerufen werden. Eine Schnittstelle zur Flottenmanagementsoftware ermöglicht die automatische Datenübertragung an Backoffice-Systeme – ein wichtiger Aspekt für Betreiber, die auf digitale Dokumentation und Prozessautomatisierung setzen. Informationen zur Nachrüstbarkeit bestehender Flotten liegen noch nicht vor, was für Betreiber mit großem Radladerbestand ein entscheidender Faktor bei der Amortisationsberechnung sein wird.

Ausblick: Marktreife und Wettbewerbsreaktion

Volvo CE hat noch keine konkreten Angaben zu Verfügbarkeit, Zertifizierungspartnern oder Preisgestaltung gemacht. Entscheidend wird sein, welche nationalen Eichbehörden das System anerkennen und ob eine EU-weite Zulassung angestrebt wird. Die Branche beobachtet zudem, ob Wettbewerber mit eigenen zertifizierbaren Lösungen nachziehen werden. Für Flottenmanager und Einkäufer dürfte die Technologie vor allem dann interessant werden, wenn sich messbare Einsparungen durch reduzierte Wiegezeiten und höhere Abrechnungsgenauigkeit nachweisen lassen – klassische Kriterien für eine positive Amortisationsrechnung.