Die HAMM AG, ein zur Wirtgen Group gehörender Spezialist für Verdichtungswalzen, hat angekündigt, den Standort in Tirschenreuth in der Oberpfalz zu schließen. Das Traditionswerk, das seit Jahrzehnten zur bayerischen Baumaschinenwirtschaft gehört, ist vor allem für die Produktion von Doppeltrommelwalzen und Tandemwalzen für den Straßenbau bekannt. Die Entscheidung wirft grundsätzliche Fragen zur Konsolidierung der deutschen Verdichtungstechnik-Branche auf.

Nach Angaben der HAMM AG wird die Produktion am Standort Tirschenreuth eingestellt. Konkrete Details zum Zeitplan der Schließung, zur Zahl der betroffenen Arbeitsplätze oder zu möglichen Verlagerungen an andere Standorte der Wirtgen Group wurden bislang nicht kommuniziert. Das Werk in der Oberpfalz galt als einer von mehreren deutschen Produktionsstandorten des Unternehmens, das neben Tirschenreuth auch in Speyer fertigt. Die HAMM AG ist Teil des amerikanischen John Deere-Konzerns, der 2017 die gesamte Wirtgen Group übernommen hatte.

Die Schließung des Standorts Tirschenreuth dürfte erhebliche Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft haben. Die Oberpfalz zählt traditionell zu den Industrieregionen Bayerns mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil an Maschinenbau und Metallverarbeitung. Gerade die Baumaschinenindustrie ist in der Region seit Jahrzehnten verwurzelt. Für die betroffenen Beschäftigten bleibt abzuwarten, ob Sozialpläne oder Transfergesellschaften aufgelegt werden oder ob Teile der Belegschaft an andere Wirtgen-Standorte wechseln können.

Die strategischen Hintergründe der Entscheidung sind bislang nicht öffentlich kommuniziert. Die Verdichtungstechnik-Branche steht aktuell vor mehreren Herausforderungen: Zum einen drängen asiatische Hersteller wie XCMG und SANY mit niedrigpreisigen Walzen in den europäischen Markt. Zum anderen fordert die Elektrifizierung der Baustelle erhebliche Investitionen in neue Antriebstechnologien. Auch die Integration digitaler Verdichtungskontrollsysteme und Telematik-Lösungen erfordert neue Entwicklungskapazitäten. Die HAMM AG hatte zuletzt die Produktion der GRW 18 in Tirschenreuth eingestellt, was bereits auf eine Neuausrichtung der Produktionslandschaft hindeutete.

Die Konzentration auf weniger, aber modernere Produktionsstandorte ist in der Baumaschinenbranche kein Einzelfall. Auch andere Hersteller wie BOMAG oder Ammann haben in den vergangenen Jahren ihre Fertigungsstrukturen konsolidiert. Ob die in Tirschenreuth gefertigten Walzenmodelle künftig in Speyer oder an anderen Wirtgen-Standorten produziert werden, ist noch offen. Ebenso unklar ist, ob die Schließung auch Auswirkungen auf das Service- und Ersatzteilgeschäft in der Region haben wird.

Ausblick: In den kommenden Wochen dürfte HAMM weitere Details zu Zeitplan, Beschäftigungsperspektiven und zur künftigen Produktionsstruktur bekanntgeben. Für die regionale Wirtschaft in der Oberpfalz und die betroffenen Zulieferbetriebe bleibt die Entwicklung eng zu beobachten. Die Frage, ob sich die deutsche Verdichtungstechnik-Fertigung langfristig gegen asiatische Konkurrenz behaupten kann, wird auch von der Fähigkeit zur schnellen Elektrifizierung und Digitalisierung abhängen.