Liebherr hat für die beiden Mobilbagger A 909 Compact und A 911 Compact den Red Dot Award Best of the Best 2026 erhalten. Die Auszeichnung würdigt nicht nur Produktdesign, sondern auch Bedienkonzept und Ergonomie der beiden Kompaktmodelle. Für die Baumaschinen-Branche wirft der Preis die Frage auf, welche Rolle Ästhetik und Benutzerführung künftig im Wettbewerb spielen – und ob sich Design-Investitionen in kürzeren Standzeiten und höherer Maschinenverfügbarkeit amortisieren.

Der Red Dot Award gilt als einer der renommiertesten Design-Wettbewerbe weltweit. Die Kategorie "Best of the Best" wird nur an herausragende Produkte vergeben, die in allen Bewertungskriterien überzeugen. Die beiden Liebherr-Modelle A 909 und A 911 Compact punkteten laut Jury vor allem durch die ROPS-Kabine mit optimierter Sichtgeometrie, intuitiver Joystick-Steuerung und reduziertem Wartungsaufwand durch modularen Aufbau. Beide Maschinen sind für urbane Einsätze mit beengten Platzverhältnissen konzipiert und verfügen über ein kompaktes Heck sowie eine verstellbare Spurweite.

Design wird im Baumaschinen-Geschäft traditionell als Nebensache betrachtet – Grabtiefe, Hubleistung und Kraftstoffverbrauch dominieren die Kaufentscheidung. Doch Hersteller wie Volvo CE, die bereits 2024 einen Red Dot Award für ihr Elektro-Design erhielten, zeigen: Ergonomie und Bedienkomfort senken die Einarbeitungszeit, reduzieren Fehlerquoten und steigern die Akzeptanz bei Maschinenführern. Das wirkt sich direkt auf die Produktivität aus. Flottenmanager berichten, dass gut gestaltete Kabinen und übersichtliche Bedienelemente die Ausfallzeiten durch Fehlbedienung um bis zu 15 Prozent senken können.

Auch die Integration von Telematik und digitalen Assistenzsystemen wird durch durchdachte Bedienkonzepte erleichtert. Wenn Display-Layouts, Menüführung und physische Bedienelemente aufeinander abgestimmt sind, steigt die Akzeptanz für digitale Tools – ein Vorteil im Wettbewerb um Fachkräfte, die zunehmend intuitive Technik erwarten. Hersteller, die Design und Ergonomie vernachlässigen, riskieren, bei der Nachwuchsgewinnung ins Hintertreffen zu geraten.

Für Liebherr ist die Auszeichnung ein Signal an den Markt: Der Hersteller positioniert sich nicht nur über technische Leistungsdaten, sondern auch über Benutzerfreundlichkeit und Gesamtkonzept. Die beiden Kompaktmodelle richten sich an Baustellen mit hohen Anforderungen an Wendigkeit und Bedienkomfort – typische Einsätze sind Leitungsbau, urbane Erdbewegung und Gartenbau. In diesen Segmenten konkurriert Liebherr mit Anbietern wie Kubota, Takeuchi und Wacker Neuson, die ebenfalls auf kompakte Bauformen und durchdachte Kabinen setzen.

Ob Design-Awards den Absatz messbar steigern, ist unklar. Doch der Trend ist eindeutig: Ergonomie, Sichtbarkeit und intuitive Bedienung werden zunehmend zu harten Kaufkriterien – nicht nur für Neumaschinen, sondern auch bei der Nachrüstung von Bestandsflotten. Hersteller, die diese Entwicklung ignorieren, riskieren, von agileren Wettbewerbern überholt zu werden.