Sandvik Construction positioniert Digitalisierung als zentrale Säule seiner Produktstrategie. Laut der offiziellen Darstellung sollen digitale Werkzeuge Kundenlösungen im Bergbau und Brechbereich optimieren. Doch hinter der PR-Fassade stellt sich die Frage: Welche konkreten Technologien stecken dahinter, und wie weit reicht die Umsetzung in der Praxis?
Sandvik Construction gliedert sein Digitalisierungsangebot in mehrere Produktkategorien. Den Kern bilden Telematik-Plattformen zur Flottenüberwachung: Maschinen senden Betriebsdaten wie Motorlast, Hydrauliktemperatur, Standort und Betriebsstunden in Echtzeit an zentrale Dashboards. Für Brechanlagen und Siebanlagen kommt zusätzlich Prozessautomation zum Einsatz – Sensoren messen Materialdurchsatz, Körnung und Verschleißzustände, Algorithmen passen Drehzahlen und Spalte automatisch an.
Ein zweites Standbein sind Fernwartungs- und Remote-Support-Systeme: Servicetechniker können auf Maschinensteuerungen zugreifen, Fehlerdiagnosen durchführen und Software-Updates einspielen – ohne physisch vor Ort zu sein. Das reduziert Stillstandzeiten, insbesondere in abgelegenen Bergbauregionen.
Drittens bewirbt Sandvik digitale Zwillinge und Simulationswerkzeuge für Brechanlagen: Bevor eine neue Brechanlage konfiguriert wird, können Kunden virtuell verschiedene Aufgabegut-Szenarien durchspielen und Durchsatz sowie Energieverbrauch prognostizieren. Diese Tools richten sich primär an Großkunden im Aggregat- und Recycling-Geschäft.
Während Telematik und Fernüberwachung bei großen Backenbrechern und Kegelbrechern mittlerweile Standard sind, bleibt die Durchdringung bei kleineren mobilen Einheiten lückenhaft. Hier fehlt oft die permanente Netzanbindung, weil Baustellen-WLAN oder 5G-Abdeckung nicht flächendeckend verfügbar sind. Ein weiterer Unterschied besteht zwischen stationären Anlagen – etwa in Steinbrüchen – und mobilen Einheiten: Stationäre Brecher lassen sich leichter in übergeordnete SCADA-Systeme einbinden. Mobile Brecher wechseln häufig den Standort – die Konnektivität muss daher über Mobilfunk oder Satelliten erfolgen, was zusätzliche Kosten verursacht.
Für Betreiber im Abbruch- und Recycling-Sektor bietet digitale Überwachung konkrete Vorteile: Echtzeit-Betriebsdaten ermöglichen eine exakte Kalkulation von Tonnenkosten – wichtig für Ausschreibungen und Transparenz in der Kostenrechnung. Allerdings setzen diese Vorteile voraus, dass Betreiber in Personal und Prozesse investieren: Ein Flottenmanager muss Dashboards auswerten, Service-Techniker müssen in Remote-Diagnostik geschult werden, und die IT-Infrastruktur muss Datenschutz und Cybersecurity gewährleisten. Gerade mittelständische Abbruch- und Recyclingunternehmen stoßen hier an Kapazitätsgrenzen.
Ein offenes Frage bleibt: Inwieweit Sandvik seine Telematik-Plattformen mit Schnittstellen zu Drittanbieter-Software ausstattet und wie das für Betreiber mit Mischflotten – Maschinen verschiedener Hersteller – praktikabel ist. Die öffentliche Kommunikation des Unternehmens bleibt zu diesen Aspekten bislang vage.
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