Die Abziehbohle ist das Einbauwerkzeug am Heck eines Straßenfertigers. Sie zieht das vom Fertiger zugeführte Asphaltmischgut auf die vorgegebene Einbauhöhe ab, verteilt es über die gesamte Einbaubreite und verdichtet es durch Vibration oder Stampfung bereits während des Einbauvorgangs vor. Die Qualität der Oberfläche, die Ebenheit der Schicht und der erreichte Vorverdichtungsgrad hängen maßgeblich von der Konstruktion und Einstellung der Bohle ab.
Verdichtungsprinzip: Vibration und Stampfung
Zwei Wirkprinzipien kommen bei Abziehbohlen zum Einsatz, häufig auch kombiniert. Vibrationsbohlen versetzen die Bohlenplatte mit hoher Frequenz in Schwingung, wodurch sich das Mischgut setzt und Hohlräume reduziert werden. Stampferbohlen arbeiten zusätzlich mit einer mechanisch angetriebenen Stampfleiste, die das Material vor der eigentlichen Abziehkante stößt und so eine höhere Vorverdichtung erzielt, bevor die nachfolgenden Walzen übernehmen. Die Wahl des Systems richtet sich nach Schichtdicke, Mischgutart und geforderter Endverdichtung.
Bauformen und Verbreiterung
Abziehbohlen werden als starre oder teleskopierbare Ausführung angeboten. Starre Bohlen kommen bei konstanten Einbaubreiten zum Einsatz, etwa im Wege- oder Radwegbau. Teleskopbohlen lassen sich hydraulisch verbreitern und ermöglichen so den Einsatz über ein breites Spektrum an Einbaubreiten mit einer einzigen Maschine. Bei größeren Fertigern werden zusätzlich ansetzbare Verbreiterungselemente montiert, um Einbaubreiten von mehreren Metern über die Grundbreite hinaus zu realisieren. Neuere Entwicklungen setzen auf faltbare, asymmetrisch verstellbare Materialbehälterwände, die eine flexiblere Anpassung der Bohle an wechselnde Einbaubreiten erlauben, etwa im Bereich kompakter Fertiger für innerörtliche Baustellen.
Beheizung und thermisches Management
Die Bohlenplatte wird in der Regel elektrisch oder über Thermoöl beheizt, um ein Anhaften des heißen Mischguts zu verhindern und eine gleichmäßige Oberflächenstruktur zu erzielen. Die thermische Konditionierung der Bohle gilt als energieintensiver Teilprozess im Einbau, was insbesondere bei der Auslegung elektrisch angetriebener Fertiger eine Rolle spielt, da neben Fahrantrieb und Einbauaggregat auch die Bohlenheizung konstant mit Leistung versorgt werden muss.
Integration mit Nivelliertechnik
Die Abziehbohle ist das ausführende Element der Höhen- und Querneigungssteuerung. Nivelliersysteme erfassen die Referenzhöhe berührungslos, etwa per Ultraschall oder Laser, und regeln darüber die Zugholmneigung sowie die Höhenverstellung der Bohle. Bohlenmodell und Nivelliersystem sind dabei konstruktiv getrennte Komponenten: Das Nivelliersystem liefert die Steuerungssignale, die Bohle selbst – unabhängig vom verbauten Nivelliersystem – bestimmt über Bauform, Vibrations- beziehungsweise Stampferausstattung und Verbreiterungsoptionen die erreichbare Einbauqualität.
Abziehbohle in der Berichterstattung
Im Beitrag zur Lieferung zweier Straßenfertiger von Dynapac an Dallmann wird die Flexibilität der Abziehbohle neben Emissionswerten und 3D-Maschinensteuerung als einer der drei zentralen technischen Faktoren moderner Straßenfertiger genannt. Der Beitrag zum ersten vollelektrischen Großasphaltfertiger von Dynapac für Europa beschreibt die Heizung der Abziehbohle als energieintensiven Faktor bei der Auslegung des Batteriesystems. Im Überblicksartikel zum Produktportfolio der Wirtgen Group im Straßenbau wird erläutert, dass die Abziehbohle je nach Modell mit Vibration oder Stampfung arbeitet, während das Nivelliersystem RoadScan als separate, berührungslos arbeitende Komponente zur Erfassung der Referenzhöhe eingeordnet wird. Der Beitrag zu den Marktpremieren der Wirtgen Group auf der Asphaltica 2026 beschreibt eine neue Materialbehälter-Geometrie mit faltbaren, asymmetrisch verstellbaren Behälterwänden, durch die sich die Abziehbohle flexibel an wechselnde Einbaubreiten anpassen lässt.
