Grabenfräsen und Schlitzwandgeräte begegnen Ihnen im Leitungsbau und Spezialtiefbau – doch die Arbeitsweise und Anwendungsfälle könnten unterschiedlicher nicht sein. Während eine Grabenfräse schmale Gräben für Leitungen kontinuierlich ausfräst, erzeugt die Schlitzwandfräse tiefe Bodenschlitze für tragende Schlitzwände. Wir erklären, worin sich die Maschinen in Konstruktion, Funktionsweise und Einsatzgebiet unterscheiden – damit Sie auf der Baustelle die richtige Entscheidung treffen.

Was ist eine Grabenfräse und wie funktioniert sie?

Eine Grabenfräse ist eine Baumaschine, die nicht ausgesteifte Gräben direkt im Boden herstellt. Sie verfügt über eine vertikal schwenkbare Fräseinrichtung, ausgestattet entweder mit einer Fräskette oder einem Fräsrad mit Rundschaftmeißeln. Aufgrund des kontinuierlichen Vorschubs während des Aushubs werden Grabenfräsen den Fahrbaggern zugeordnet – nicht den Standbaggern.

Beim Arbeiten bewegt sich die Fräse kontinuierlich vorwärts und löst dabei Boden durch die rotierenden Schneiden. Das gelöste Material wird seitlich ausgeworfen oder über ein Förderband abtransportiert. Die Technik erlaubt präzise Grabenbreiten und -tiefen bei vergleichsweise hohem Tempo.

Bauformen und Antriebe

Sie können Grabenfräsen in drei Grundtypen unterteilen:

Der Antrieb erfolgt bei größeren, selbstfahrenden Maschinen durch einen Dieselmotor. Kleinere, handgeführte Varianten nutzen Benzinmotoren oder Elektromotoren. Anbaugeräte werden über die Zapfwelle oder Hydraulik des Trägerfahrzeugs angetrieben.

Einsatzgebiete von Grabenfräsen: Kabel, Rohre, Drainage

Grabenfräsen kommen hauptsächlich im Kabel- und Rohrleitungsbau zum Einsatz. Sie erstellen Gräben für die Verlegung von Ver- und Entsorgungsleitungen, Pipelines sowie Drainagen. Weitere Anwendungen sind offene Gräben zur Entwässerung oder – historisch – als Schützengräben.

Voraussetzung für den wirtschaftlichen Einsatz ist eine gute Lösbarkeit des Bodens. Die Maschinen eignen sich für Bodenklassen 1 bis 4 und setzen Standfestigkeit bei senkrechter oder leicht geböschter Grabenwand voraus. Häufig wird im Vorfeld eine Baugrunduntersuchung durchgeführt, um dies festzustellen.

Besonders geeignet sind Grabenfräsen für Strecken ohne Störeinflüsse durch Querleitungen oder Einbauten. Je nach Boden, Maschinenleistung und Aushubquerschnitt lassen sich Tagesleistungen von bis zu 2000 Metern erreichen – ein erheblicher Produktivitätsvorteil gegenüber konventionellem Baggeraushub.

Was ist eine Schlitzwandfräse?

Eine Schlitzwandfräse ist ein Baustellengerät zur Herstellung von Bodenschlitzen für tragende Schlitzwände. Beim Schlitzwandfräsen lösen meist zwei gegenläufige Schneidräder das Bodenmaterial, vermischen es mit der im Schlitz vorhandenen Suspension und fördern es zur Ansaugöffnung einer Feststoffpumpe.

Die Fräse ist an einem Trägergerät angehängt. Das Fräsgut wird dabei vor Eintritt in die Pumpe so zerkleinert, dass bei der hydraulischen Förderung das Material verstopfungsfrei durch das Leitungssystem transportiert wird. Die mit Bodenmaterial versetzte Suspension wird zu einer Aufbereitungsanlage gepumpt. Dort werden die Bodenbestandteile aus der Suspension entfernt und die gereinigte Stützflüssigkeit dann in den Schlitz zurückgeführt.

Trägergeräte und Einsatzgewicht

Als Trägergeräte kommen in der Regel Bagger auf Raupenfahrwerken mit einem Gewicht von 50 bis 150 Tonnen zum Einsatz. Es werden sowohl Hydraulik- als auch Seilbagger verwendet. An diese Grundgeräte werden die Fräse und weitere erforderliche Anbauteile montiert.

Unterschiede in der Anwendung: Wann Grabenfräse, wann Schlitzwandfräse?

Der entscheidende Unterschied liegt im Ziel der Arbeiten: Grabenfräsen erstellen nicht ausgesteifte, offene Gräben für die temporäre oder permanente Aufnahme von Leitungen. Die Gräben werden nach Leitungsverlegung wieder verfüllt.

Schlitzwandfräsen hingegen erzeugen schmale, tiefe Bodenschlitze, die mit Beton oder Dichtwand-Material gefüllt werden und als tragende oder abdichtende Bauwerksbestandteile erhalten bleiben. Sie kommen im Spezialtiefbau zum Einsatz – etwa für Baugrubenverbau, Tiefgaragen oder Dichtwände bei Altlasten.

Auch die Bodenbedingungen unterscheiden sich: Grabenfräsen eignen sich für standfeste, gut lösbare Böden. Schlitzwandfräsen arbeiten hingegen mit Stützflüssigkeit, die den Schlitz während der Bearbeitung stabilisiert – das erlaubt Arbeiten auch in nicht standfesten, wasserführenden Böden.

Fazit: Geräte für unterschiedliche Tiefbau-Disziplinen

Grabenfräsen und Schlitzwandgeräte gehören zur Kategorie Erdbewegung und Tiefbau – doch sie decken völlig verschiedene Aufgabenstellungen ab. Wenn Sie Leitungen wirtschaftlich verlegen und dabei hohe Tagesleistungen erzielen wollen, ist die Grabenfräse die richtige Wahl. Für tragende Schlitzwände, Baugrubenverbau oder Dichtwände im Grundwasser setzen Sie hingegen auf Schlitzwandfräsen mit ihrem spezialisierten Trägergerät und Suspensionskreislauf.

Beide Maschinentypen sind in der Baugeräteliste unter verschiedenen Kategorien geführt und erfordern spezifische Qualifikationen im Maschinenbetrieb. Wer die richtige Technik für seine Baustelle wählt, spart Zeit, Kosten und vermeidet teure Standzeiten.