Die Lastmomentbegrenzung (LMB) verhindert bei Mobilkranen und Teleskopladern, dass Lasten gehoben werden, die das zulässige Hubmoment überschreiten. Das System überwacht kontinuierlich Last, Auslegerstellung und Stützbreite und greift abschaltend ein, bevor ein Kippmoment entsteht. Rechtlich geregelt wird diese Sicherheitseinrichtung durch die europäische Produktnorm EN 13000 – eine Norm, die alle Mobilkranhersteller in der EU erfüllen müssen und die in der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG verankert ist.

Was regelt die EN 13000?

Die EN 13000 ist die zentrale europäische Produktnorm für Fahrzeugkrane. Sie konkretisiert die allgemeinen Anforderungen der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG und legt fest, wie Mobilkrane konstruiert, gefertigt, ausgerüstet und geprüft werden müssen. Die Norm gilt für alle Fahrzeugkrane im Sinne der ISO 4306-2 – darunter Teleskop-, Gitter- und Raupenkrane, nicht jedoch Ladekrane, Offshore-Krane oder kraftbetriebene Stapler mit veränderlicher Reichweite.

Aktuell ist die Version EN 13000:2010+A1:2014 in Kraft. Die Grundfassung von 2010 führte unter anderem die Pflicht ein, den Schlüsselschalter zur Überbrückung der Überlastanlage aus der Kabine zu entfernen. Mit der Änderung A1:2014 kam die Stützbreitenüberwachung als Warnung hinzu. Hersteller wie Liebherr haben darüber hinaus bereits weitergehende Funktionen implementiert, darunter die Gegengewichtserkennung bei Teleskopkranen, abschaltende Stützbreitenüberwachung und Stützdrucküberwachung.

Funktionsprinzip der Lastmomentbegrenzung

Die LMB arbeitet mit einem Netzwerk aus Sensoren, die folgende Parameter erfassen:

  • Lasthaken-Kraft (über Seilkraft-Sensoren oder Hydraulikdruck-Messung)
  • Auslegerstellung (Länge, Winkel, Teleskopstufe)
  • Drehwinkel des Oberwagens
  • Stützbreite und Stützdrücke
  • Gegengewichtskonfiguration

Aus diesen Werten berechnet die Kransteuerung in Echtzeit das aktuelle Lastmoment und vergleicht es mit der zulässigen Traglast gemäß Traglasttabelle. Wird die Grenze erreicht, stoppt die LMB weitere Hubbewegungen oder Auslegerbewegungen, die das Moment erhöhen würden. Bewegungen, die das Moment verringern – etwa Einfahren des Auslegers oder Absenken der Last –, bleiben möglich.

Normative Anforderungen nach EN 13000

Die EN 13000 schreibt vor, dass die Lastmomentbegrenzung als sicherheitsbezogene Steuerung ausgeführt sein muss. Das bedeutet: Die Software muss den Anforderungen an funktionale Sicherheit entsprechen. Anbieter wie WIKA Mobile Control setzen dazu zertifizierte Softwarebibliotheken ein, die nach DIN EN ISO 13849 entwickelt wurden und bis zu Performance Level d (PL d) sowie Safety Integrity Level 2 (SIL 2) nach DIN EN 61508-3 erfüllen.

Die Norm legt außerdem fest, dass Traglasttabellen nach EN 13000 gerechnet sein müssen. Diese Tabellen berücksichtigen die Belastungsbedingungen nach ISO 4301-2:1985 Gruppe A1 – Fahrzeugkrane sind also für eine begrenzte Zahl von Spannungsspielen und stetige Entfaltung der Antriebskräfte ausgelegt. Für Greifer-, Magnet- oder vergleichbar schweren Betrieb sind zusätzliche Maßnahmen erforderlich, die außerhalb des Anwendungsbereichs der Norm liegen.

CE-Kennzeichnung und Konformitätsvermutung

Wird die harmonisierte Norm EN 13000 angewendet, löst dies die sogenannte Konformitätsvermutung aus: Der Hersteller kann davon ausgehen, dass er die Maschinenrichtlinie und damit das Gesetz erfüllt. Die Erfüllung der europäischen Richtlinien wird mit dem CE-Zeichen auf dem Typschild und der EU-Konformitätserklärung bestätigt, die der Krandokumentation beiliegt. Neben der Maschinenrichtlinie deckt das CE-Zeichen auch die Anforderungen an Geräuschemissionen und die Funkgeräterichtlinie ab.

Aktuelle Entwicklung und Ausblick

Sowohl die Maschinenrichtlinie als auch die EN 13000 befinden sich derzeit in Überarbeitung. Die neue Maschinenrichtlinie wird kurzfristig erwartet und als Verordnung direkt in allen EU-Mitgliedstaaten gelten. Neue Anforderungen müssen dann im nächsten Versionsstand der EN 13000 für Mobilkrane konkretisiert werden. Hersteller wie Liebherr arbeiten aktiv in den Normgremien mit – sowohl in der Gesamtnorm als auch in den Expertengruppen Statik und Kransteuerung.

Die Weiterentwicklung der Norm wird voraussichtlich weitere Sicherheitsfunktionen adressieren, die bereits heute in Serienmaschinen verbaut sind: Dazu zählen automatische Gegengewichtserkennung, abschaltende Stützbreitenüberwachung und kontinuierliche Stützdrucküberwachung. Diese Systeme reduzieren das Risiko von Bedienfehlern und erhöhen die Sicherheit bei komplexen Hebevorgängen – insbesondere auf unebenen oder beengten Baustellen.

Für Betreiber bedeutet die Norm vor allem eines: Jeder Mobilkran mit CE-Kennzeichnung erfüllt ein definiertes Sicherheitsniveau, das europaweit harmonisiert ist. Die Lastmomentbegrenzung ist dabei kein optionales Feature, sondern eine verpflichtende Schutzeinrichtung, die bei jedem Hebevorgang aktiv ist – und sich nicht mehr durch einen Schlüsselschalter in der Kabine überbrücken lässt.