Die Lastmomentbegrenzung (LMB) ist ein Sicherheitssystem, das Bewegungen an Kranen und Hubarbeitsbühnen automatisch blockiert, sobald die zulässige Last in Relation zur aktuellen Ausladung überschritten wird. Das System verhindert so Kippmomente, die zur Instabilität der Maschine führen würden. Geregelt wird die LMB für mobile Krane durch die europäische Produktnorm EN 13000, für Hubarbeitsbühnen gilt die EN 280.

Wie funktioniert die Lastmomentbegrenzung technisch?

Das Funktionsprinzip basiert auf der kontinuierlichen Erfassung zweier Größen: der tatsächlichen Last am Haken und der aktuellen Auslegerstellung. Aus diesen Parametern berechnet das Steuerungssystem das Lastmoment – also das Produkt aus Gewicht und Ausladung. Sobald sich dieses Moment dem zulässigen Grenzwert nähert, greift die LMB ein.

Die Sensorik umfasst mehrere Komponenten:

  • Drucksensoren in den Hydraulikzylindern oder Seilzugmesssysteme zur Lasterfassung
  • Neigungssensoren und Drehgeber am Ausleger zur Bestimmung der Auslegergeometrie
  • Längenerfassungssysteme bei Teleskopauslegern
  • Stützbreitenüberwachung zur Erfassung der Abstützgeometrie

Wird der programmierte Grenzwert erreicht, sperrt das System gezielt jene Bewegungen, die das Moment weiter erhöhen würden – etwa das Austeleskopieren oder das Aufrichten des Auslegers. Rückbewegungen, die das Lastmoment verringern, bleiben hingegen möglich, damit der Kranführer die kritische Situation kontrolliert auflösen kann.

Was regelt die EN 13000 konkret?

Die EN 13000 ist die verbindliche europäische Produktnorm für Mobilkrane. Sie konkretisiert die allgemeinen Anforderungen der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG speziell für Fahrzeugkrane – also selbstfahrende Krane auf Reifen oder Raupenfahrwerk, die ohne eigene Fahrbahn arbeiten und deren Standfestigkeit auf Schwerkraft beruht.

Die erste Fassung wurde 2004 veröffentlicht. Aktuell gilt die Version EN 13000:2010+A1:2014, die seit 2012 umgesetzt wird. Eine zentrale Änderung dieser Fassung war das Verbot des Schlüsselschalters zur Überbrückung der Überlastanlage in der Fahrerkabine. Bis dahin konnten Kranführer die LMB manuell deaktivieren – eine Praxis, die nachweislich zu schweren Unfällen führte. Mit der Änderung von 2014 (A1:2014) kam zudem die Stützbreitenüberwachung als Warnfunktion hinzu.

Liebherr setzt die EN 13000 bei allen LTM-, LTR-, LTC-, LTF-, LRT-, LR- und LG-Kranen um. Konstruktionsleiter Bernd Boos, der selbst aktiv an der Normenerstellung mitwirkt, erläutert die Bedeutung: Wird die harmonisierte Norm angewendet, erhalten Hersteller die sogenannte Konformitätsvermutung – die Bestätigung, dass die Maschinenrichtlinie und damit das europäische Gesetz eingehalten werden. Die Erfüllung dieser Anforderungen dokumentiert das CE-Zeichen auf dem Typschild und die EU-Konformitätserklärung.

Welche technischen Weiterentwicklungen stehen bevor?

Sowohl die Maschinenrichtlinie als auch die EN 13000 befinden sich derzeit in der Überarbeitung. Die neue Maschinenrichtlinie wird zur Verordnung umgewandelt und kurzfristig erwartet. Damit einher gehen erweiterte Anforderungen an Hersteller, die im nächsten Versionsstand der EN 13000 konkretisiert werden müssen.

Einige dieser künftigen Anforderungen setzen führende Hersteller bereits heute um:

  • Automatische Gegengewichtserkennung bei Teleskopkranen
  • Abschaltende (statt nur warnende) Stützbreitenüberwachung
  • Stützdrucküberwachung zur Erfassung der tatsächlichen Bodenpressung

Diese Systeme erhöhen die Sicherheit weiter, indem sie nicht nur das Lastmoment, sondern auch die Standfestigkeit unter wechselnden Bodenverhältnissen kontinuierlich überwachen. Der Entwurf der ÖNORM EN 13000 mit Ausgabedatum 2025-12-15 umfasst bereits 133 Seiten technischer Spezifikationen und befindet sich derzeit in der Einspruchsfrist bis 2026-01-29.

Praxisrelevanz für Kranvermieter und Betreiber

Für Flottenmanager und Einkäufer sind die technischen Daten der LMB entscheidend bei der Maschinenauswahl. Jedes Datenblatt eines Herstellers muss die Lastmomentbegrenzung verbindlich angeben – inklusive der Traglasttabellen, die nach EN 13000 berechnet sind. Nur wenn diese Parameter gegen die konkreten Anforderungen der Baustelle abgeglichen werden, passt die Maschine wirklich zur Aufgabe.

Besonders relevant ist die LMB bei innerstädtischen Kranlogistik-Aufträgen, wo beengte Platzverhältnisse häufig maximale Ausladungen bei reduzierten Stützbreiten erfordern. Hier zeigt sich der Wert moderner Sensorik: Sie erlaubt präzise Arbeit an der Leistungsgrenze, ohne die Sicherheit zu kompromittieren.

Weitere Informationen zur Standsicherheit mobiler Krane finden Sie in unseren Beiträgen zur Standsicherheitsberechnung und zum Hubmoment. Verwandte Sicherheitssysteme für andere Geräteklassen beschreibt unser Artikel zur Kipplast.