Die Tragfähigkeit eines Mobilkrans ist keine feste Zahl, sondern eine vom Hersteller für genau definierte Bedingungen festgelegte Grenze. Ein als „200-Tonnen-Kran" bezeichnetes Gerät erreicht diesen Höchstwert nur in einer bestimmten Konfiguration – meist bei sehr kleiner Ausladung. Mit zunehmender Entfernung der Last vom Drehpunkt sinkt die zulässige Traglast deutlich.
Maßgeblich ist dabei das Lastmoment: Last mal Ausladung. Eine Last von 20 Tonnen bei 5 Metern Ausladung erzeugt rechnerisch dasselbe Moment wie 10 Tonnen bei 10 Metern Ausladung – jeweils 100 Tonnenmeter. In der Praxis entscheidet aber nicht allein das rechnerische Moment, sondern zusätzlich die Festigkeit des Auslegers, die Auslegerstellung, die Abstützung und der Ballast über die zulässige Last.
Das Tragfähigkeitsdiagramm – auch Traglastdiagramm, Traglasttabelle oder Load Chart genannt – verbindet die mögliche Tragfähigkeit eines Mobilkrans mit Ausladung, Auslegerlänge und Konfiguration. Es ist keine allgemeine Leistungsangabe, sondern eine verbindliche Arbeitsgrundlage für einen bestimmten Rüstzustand. Hersteller geben maximale Tragfähigkeit, maximale Auslegerlänge und maximale Ausladung getrennt an – diese Höchstwerte lassen sich nicht beliebig kombinieren.
Neben Ausladung und Auslegerlänge beeinflussen mehrere konstruktive und situative Größen die Traglast: die Abstützbasis bei Mobilkranen, der Ballast, der Arbeitsbereich je nach Drehstellung des Oberwagens, und die Zusatzausrüstung wie Teleskopausleger oder Gittermastspitze.
Das Tragfähigkeitsdiagramm ist vor jedem Hub exakt für die vorgesehene Auslegerlänge, Abstützbasis und Arbeitsrichtung zu prüfen – pauschale Rückschlüsse von einer Tabelle auf eine andere Konfiguration sind unzulässig.
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